Tag des offenen Denkmals 10.09.2017

Dieses Jahr stand der Tag des Offenen Denkmals unter dem Motto Macht und Pracht“. Mit seinem Hausherren, dem Kurfürsten, war das ein Thema das am Wolfsbrunnen zu Hause ist. Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein konnten alle Führungen im Freien stattfanden. Für die Besucher gab es neben den Führungen und der Lesung an unserem Informationsstand und im Museumszimmer viel zu entdecken.    

Und somit war es auch selbstverständlich, dass Friedrich II (der Weise), jüngerer Bruder von Ludwig V (der Friedfertige),

die Gäste persönlich begrüßte, um zur Einführung den Besuchern über die Kurfürsten und zur Geschichte von Heidelberg einen kleinen Einblick zu geben. Danach konnten die Gäste in die über 550 jährige Geschichte des Wolfsbrunnen eintauchen.

Besonderen Dank auch Herrn Vogelsang und Herrn Jacob, die mit Ihrem Wissen die Führungen unterstützt haben. 

Besonders prägend für die Geschichte von Heidelberg und seiner Kurfürsten war Lieselotte von der Pfalz. Deshalb haben wir uns besonders gefreut, sie im vollem Museumszimmer den Besuchern etwas näher zu bringen.

 

 

Elisabeth Charlotte wurde am 27. Mai 1652 in Heidelberg geboren, Sie war ein schmächtiges Kind, wurde notgetauft und nach dem protestantischen Glauben erzogen. Obwohl sie aufgrund der politischen Heirat zum katholischen Glauben wechseln musste, blieb sie im Herzen und in Ihrer Einstellung, zwar kritisch, aber dem Protestantismus emotional verbunden. Mit sieben Jahren schickte sie ihr Vater, der Kurfürst Ludwig nach Hannover zu seiner Schwester Sophie. Heute würde man sagen um der Mutter das Sorgerecht zu entziehen. Vier Jahre später kam sie dann wieder zurück nach Heidelberg. 

Sie war ein echtes Pfälzer Kind, geradlinig, humorvoll, erdverbunden und ohne Allüren. Aus politischen Gründen wurde sie mit Herzog Philipp I von Orleans, Bruder von Ludwig XIV, verheiratet, und musste mit 19 Jahren nach Paris ziehen. Am französischen Hofe war sie isoliert und Ihr Mann hatte eher Interesse am eigenen Geschlecht, obwohl er seinen gesellschaftlichen Pflichten nachkam und einen Stammhalter zeugte und zwei weitere Nachkommen. Ihr Mann starb 1701, nach dem Tod von Ludwig XIV, wurde Ihr Sohn

Philipp II von Orleans, Regent von Frankreich, und sie war wieder die erste Dame des Staates. Sie starb 1722 mit 70 Jahren.“

Insgesamt soll sie 60.000 Briefe und Notizen verfasst haben, von denen 4000-6000 noch erhalten sind, davon 2/3 in Deutsch

und 1/3 in Französisch, bis zum Schluss war sie stolz Deutsche zu sein.

Nach einem kurzen Überblick über Ihre Biografie, hatte Marion Hauschild drei Briefe herausgesucht, die ihr Leben am Hofe und Ihre Gedanken

wieder gespiegelt haben.

Besonders möchten wir uns bei Herrn Schwaier bedanken, der unsere Bibliothek mit einem umfangreichen Werk zur Biografie der Lieselotte von der Pfalz bereichert hat.

Bei allen vier Führungen haben wir uns über das große Interesse am Wolfsbrunnen gefreut, es gab viele neue, interessierte Gesichter. Bei 550 Jahren Geschichte hat man als Klein- und Kulturod das eine oder andere zu erzählen.